(c) Foto Jörgler

Schlossgespenst, Schmusemonster, Steirerbua

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Christoph Preschern liebt die Gastronomie. Trotzdem, so meint er, wäre er auch nach vierzehn Jahren in der Branche noch ein ziemliches Greenhorn – was er hartnäckig zu ändern versucht. Sein hehres Ziel: als fixe Gastronomiegröße in der Südsteiermark akzeptiert zu werden. Der Junkerball im Schloss Gamlitz soll seine Feuertaufe werden…

Text: Elisabeth Waxmund | Fotos: Christopher Jörgler

13:00 Uhr
Mich fröstelt, als ich den Schlosshof betrete. Weit und breit ist keine Menschenseele zu entdecken, der Nebel hängt tief über dem gelben Türmchen, das die Blätter seines Efeuvorhangs abgeworfen hat. Die Stimmung wäre fast schaurig, würde nicht von irgendwoher leise ein alter Rock Song über den Schlosshof wehen. Im großen weißen Zelt, das quer über den Hof gegenüber des Schlosstürmchens aufgebaut ist, treffe ich auf den Schlossherren.

„Eher Schlossgespenst!“, lacht Christoph Preschern mich fröhlich zur Begrüßung an. Er wirkt ein bisschen abgekämpft – bis drei Uhr in der Früh, so erzählt er, haben er und seine helfenden Hände gestern Bierbänke aufgestellt und die Technik auf der Bühne, auf der später die „Jungen Südsteirer“ auftreten werden, vorbereitet. „Techniker, Monteur, Kellner – wenn wir ein Event haben, muss ich überall anpacken!“, erzählt er.

Sechzig Hochzeiten hat er im vergangenen Jahr hier im Schloss Gamlitz veranstaltet; zehn weitere ganz „nebenbei“ in anderen Locations in der Südsteiermark – und das, obwohl er erst im Mai 2018 den Pachtvertrag des Schlosses unterzeichnet hat.

Mit seinen achtundzwanzig Jahren hat Preschern sich in der Region schon einen Namen gemacht – von Vorteil dabei: seine unermüdliche Arbeitswut. „Die Gastro ist einfach meine Welt. Und ich weiß, ich bin noch ein ziemliches Greenhorn, auch, wenn ich schon seit vierzehn Jahren dabei bin. Genau deshalb stört es mich aber nicht, wenn ich jetzt richtig viel zu tun habe – der Erfolg kommt nicht einfach so; und ich will hier schließlich was erreichen…“

Ideen hat er schon viele, vor allem als Eventveranstalter will er in den kommenden Jahren verstärkt für die Einheimischen in der Gegend präsent sein. „Weil gerade im Winter ist es hier manchmal ein bisschen fad“, meint er. Der Junkerball, der heute Abend stattfindet, wird Prescherns Feuertaufe. Werden die Ortsansässigen Spaß haben?

(c) Foto Jörgler

14:00 Uhr
Preschern steht im Innenhof und raucht hektisch eine Zigarette, als der Fotograf für unser Fotoshooting eintrifft. Seine Gilet ist von den Aufbauarbeiten ziemlich verdreckt. So will er auf unser Cover? Zugegeben, vermutlich ist er in Gedanken wohl noch nicht beim Fototermin – er räumt und werkelt, schleppt Bänke durch den Innenhof und gibt Anweisungen. „Stellts das Feuerholz da rüber und probierts es bitte einmal aus!“

Der Schlosshof ist ehrlich gesagt noch in ähnlichem – unaufgeräumten – Zustand, wie Prescherns Kleidung: überall liegen Kabel herum, Bänke stehen kreuz und quer im Kies und der Tresen im Schlossinneren sieht aus, als wäre die Party bereits vorbei. In ein paar Stunden soll hier also ein Ball stattfinden...?

Zwei Minuten später ist Preschern adjustiert – fast. Die Lederhose rutscht ein bisschen, er stopft das Hemd hinein und fummelt an seinem Hosenbund herum. Ob er schon sehr gestresst ist, will ich wissen. „Stress? Na überhaupt nicht. 95 Prozent sind ja schon erledigt, nur noch ein paar Kleinigkeiten und die Party kann losgehen!“ Mit meinem Zweifel, wie sich das ausgehen soll, halte ich lieber hinterm Berg. Das einzige, was ihn heute gestresst hätte, so Preschern, wäre sein Frisörtermin am Morgen gewesen: „Meine Frisörin hatte keine Zeit und ich musste woanders hin – leider musste ich darum auf meine obligate Kopfmassage verzichten“, lacht er. Der Fotograf knipst los und wir plaudern. Was ihm an der Veranstaltungsplanung so gefällt?
Ich glaube, es ist der Nervenkitzel!

„Drei Monate im Voraus machst du tolle Pläne, hast super Ideen – und zwei Tage vorher schmeißt du alle Pläne wieder um. Das ist Gastro!“ Die Branche fasziniert ihn seit langem – auch, wenn er ursprünglich ganz eine andere Laufbahn hatte einschlagen wollen. „Speditionskaufmann hätt ich werden sollen, aber um mit ein Taschengeld dazuzuverdienen habe ich angefangen am Wochenende beim Hasenwirt auszuhelfen.

Ich war fünfzehn – und in der Küche haben die Köche schmutzige Witze gerissen. Die haben geraucht und nach Feierabend ihr Bier getrunken – mit fünfzehn ist das genau das, was du cool findest. Meine Tante hat noch gesagt, schau, dass du ja nicht in der Gastro landest, sonst wirst du auch einmal so. Drei Wochen später habe ich den Hut auf den Speditionskaufmann geworfen und meine Lehre im Hotel Weinlandhof bei der Familie Wratschko angefangen!“ Preschern lacht – und mir fällt auf, dass er mit seinem schicken steirischen Janker auch plötzlich ganz anders aussieht, als noch vor fünf Minuten im Innenhof – adrett, erfolgreich und selbstbewusst.

Seinen Einstieg in die Gastro hat Preschern bis heute nicht bereut – „so sehr einen diese Branche fordert, und sicher auch schneller altern lässt als andere – ich würde alles genauso wieder machen!“ Sein Mentor und Lehrherr Arnold Wratschko senior sei es gewesen, der ihm den Stellenwert eines guten Netzwerks nahegelegt hat. „Gerade hier in der Gegend ist es unerlässlich, dass man die Leute kennt. Du brauchst Personal? Ruf den Wirt im Nachbarort an, der borgt dir seine Leute. Dir fehlen die Ideen? Mein alter Freund Pizi hat eine, bevor er weiß, dass ich eine brauche. Oder willst du ein riesiges Zelt für deine Veranstaltung aufbauen? Die freiwillige Feuerwehr ist gleich am Start.“

Auch über die Grenzen der Steiermark hinaus, wo Preschern übrigens Wirtschaftsbundchef von Strass ist, hat er sein Netzwerk mittlerweile ausgebaut. Als Stellvertretender Vorsitzender der Vereinigung „Junges Hotel- und Gastgewerbe“ besucht er laufend Kongressen wie den Gastrobizz, Unternehmerschulungen der Wirtschaftskammer und Branchendiskussionen.

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15:30 Uhr
Das enervierende Fiepen des LKWS, der im Schritttempo rückwärts auf den Schlosshof fährt, lässt Preschern aufschrecken. Auf der Laderampe: ein in mehrere Stücke zerteiltes, schwarzes Ungetüm aus Gips. „Der Junkerhut, na endlich!“, freut er sich – noch. Denn als er mit drei Helfern die Einzelteile des überdimensionierten Trachtenhutes abgeladen und zusammengesetzt hat, offenbart sich den Männern ein trauriges Bild.

Der Junkerhut, der in den letzten zehn Jahren die Decke des Mehrzwecksaals schmückte, in dem der Ball bis dato stattgefunden hat, hat eindeutig schon bessere Zeiten erlebt. An mehreren Stellen ist der Lack abgebröckelt, die schwarze Farbe des Gamsbartes ist ausgeblichen und die Hutkrempe hat es am schlimmsten erwischt – weißer Gips rieselt aus einem riesigen Riss auf die Wiese. „Holzspeite drunter! Bissl Lack! Und Pizi, bitte stell den Scheinwerfer für später noch einmal um! Des geht scho!“, ruft Preschern seinen Helfern zu.

Die folgen seinen Anweisungen, während er sich eine Zigarette ansteckt. „Ich rauch zu viel – ja. Aber so bleib ich locker“, meint er entschuldigend. Und siehe da: Zehn Minuten später ist der Hut zwar nicht wie neu, aber in durchaus passablem Zustand. Was Preschern weitaus mehr aus der Fassung bringt als der Hut ist, was der Lieferant ihm beim letzten Zug seiner Zigarette prophezeit: „Im Dorf, überall reden sie wegen dem Ball heut – wirst sehen, sicher 1500 Leute werden des!“ Preschern schluckt. Fünfhundert Tickets hat er selbst in Umlauf gebracht; mit 800 Personen rechnet er; 1500 würden seine Pläne sprengen. Er schaltet schnell – schließlich ist der Mann, der ihm den Hut geliefert hat der Gastro-Verleiher aus der Gegend. „Bitte bringst mir noch 500 Wein- und 200 Sektgläser!“ Wieder ein Problem beseitigt.

16:00 Uhr
Noch immer herrscht in der großen Halle und im Zelt davor ziemliches Chaos. Inzwischen ist aber Prescherns Personal für den Abend eingetroffen. Fünfzehn Leute werden später die fünf Bars und das Restaurantservice beim Ball schmeißen. „Insgesamt hab ich dreißig Leute, fast alle aus Slowenien. Österreicher arbeiten in der Region überhaupt nur sehr wenige – weil du wirst halt damit nicht reich“, erzählt er mir.

Gerade deshalb wäre es ihm ein Anliegen, sein Personal fair zu entlohnen. „Mein Abwäscher zum Beispiel war vorher Croupier in einem Casino in Slowenien, hat dort drei fünfzig die Stunde verdient. Bei mir kriegt er elf – was glaubst du, mit was für Turbo der abwäscht!“, scherzt er. Dass er sich mit seinen Leuten gut versteht, spürt man: Hier ein Schulterklopfen, da ein Späßchen – die Stimmung ist freundschaftlich.

„Es hat einige Zeit gedauert, bis ich dieses Team beisammen hatte. Und ich weiß, ich muss schauen, dass sie mir bleiben!“, meint er plötzlich mit ernster Miene. Zu viele schlechte Erfahrungen hat er schon gemacht: „Diebstähle zum Beispiel: Wein, Handys, Fleisch – alles was wertvoll ist.

Die haben geglaubt, ich merke nicht, dass man für drei Hochzeiten nicht Rindfleisch im Wert von dreieinhalbtausend Euro braucht.“ Auch Drogen hätten in der Vergangenheit schon zu Konflikten geführt: „Ich bin achtundzwanzig, ja. Und ich lasse meinen Leuten eh fast alles durchgehen – Handys, rauchen… Trotzdem bin ich der Chef – und wenn ich mitbekomme, dass sich einer bei mir was reinpfeift, kann ich nicht wegschauen!“

Neben den Veranstaltungen im Schloss hat Preschern ein zweites gastronomisches Standbein – gemeinsam mit seiner Mutter führt er seit einigen Jahren die Konditorei Koppitz in Strass, die sein Urgroßvater vor 97 Jahren eröffnet hat. Auch hier beschäftigen die Mitarbeiter ihn unternehmerisch: „Das Problem, das ich vor allem am Anfang hatte war, dass da teilweise Mitarbeiterinnen arbeiten, die mir quasi schon die Windeln gewechselt haben“, lacht er, „da fällt es schwer, denen im Job anzuschaffen, was sie zu tun haben!“ Er gesteht ein, dass sein Einstieg nicht einfach gewesen ist: „Ich habe kein Problem damit, dass die Mama die Chefin ist – das akzeptieren auch die älteren Mitarbeiter. Immer mehr erarbeite ich mir aber meinen Respekt: die Zahlen – zum Beispiel was den Einkauf betrifft – geben mir Recht!“

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16:30 Uhr
Während Christoph Preschern seine Mitarbeiter noch für den Abend einweist, habe ich Lust auf Torte bekommen und besuche seine Mutter Gudrun in der Konditorei. Es ist eine wunderschöne, altmodische Konditorei mit gemütlichen Sitzecken und einer schier endlosen Vitrine voll Erdbeer-Buttermilch-, Kardinalschnitten und Esterhazytorten. Ich bestelle ein Maronicremetörtchen, Gudrun setzt sich zu mir. Ob es gelegentliche Reibereien mit dem Sohn gäbe? Sie lacht herzlich: „Naja, oft ist er ein ziemlicher Chaot – er nennt mich im Gegenzug eine I-Tüpfl-Reiterin und Erbsenzählerin.“

Ein schwieriger Kontrast. Trotzdem würde sie hinter ihm stehen, insbesondere, was das Eismachen anbelangt: „Das hat ihm sein Großvater beigebracht, jetzt macht er im Sommer das Eis alleine. Bis zu sechzig verschieden Sorten haben wir da – und wenn’s warm ist, esse ich jeden Tag eins.“ Sogar die Experimente ihres Sohnes würden ihr für gewöhnlich gut schmecken: Lavendel-, Mandarine- oder sogar das Bier-Eis. „Nur der Versuch mit der Currywurst aus dem Packerl war eine Katastrophe“, lacht sie und schüttelt energisch den Kopf.

Auf seine Mutter angesprochen, will Christoph Preschern später erst mit einem Scherz ausweichen: „Früher hat sie mich im Pyjama aus der Disko abgeholt, das war so peinlich – mittlerweile ist sie aber schon bissl cooler geworden!“ Kurz darauf gibt er aber doch noch zu, welche große Rolle sie in seinem Leben spielt. „Drei Frauen hab ich, ohne die würde ich wohl nichts auf die Reihe kriegen: Meine Verlobte Daniela, meine kleine Tochter Sophie … und die Mama.“

Seine Familie würde ihm stets den Rücken frei halten – auch, wenn er wieder einmal eine Hundert-Stunden-Woche hinter sich hätte. Zum Runterkommen schaut er dann am liebsten Disneyfilme mit seiner kleinen Sophie, wo er in einem Disney-Charakter sein Spiegelbild gefunden hat: Elliot, das Schmunzelmonster! „Weil ich so lieb zu meinen Mitarbeitern bin. Und trotzdem steckt irgendwo schon ein bisschen Drache in mir!“, zwinkert er.

18:00 Uhr
Zurück im Schloss ist es endlich soweit! Die ersten Gäste warten vor dem Zelt – und siehe da: der Schlosshof wirkt so prunkvoll und elegant, wie es vor zwei Stunden wahrlich unvorstellbar gewesen war. Brennende Holzpflöcke leiten den Weg am gekonnt ausgeleuchteten Junkerhut vorbei über einen roten Teppich ins Zeltinnere. Liebevoll sind die Biertische mit Tannenzapfen und bunten Blumengestecken dekoriert, alle Kellner stehen mit breitem Grinser bereit. Im großen Saal sind 26 verschiedene Junkerweine eingekühlt, stimmungsvoll ist die Disco im Weinkeller von Kerzenleuchtern erhellt und aus der Scheune neben dem Schloss, wo nun eine luftballondekorierte Cocktailbar versteckt ist, dringt leise Swing-Musik vom Plattenspieler. Ich staune! Preschern bemerkt meinen Blick und zwinkert: „Na, hab ich doch gesagt, dass wir ganz ohne Stress fertig werden!“

05:30 Uhr
Der Chef nimmt sich ein Bier aus dem Kühlschrank. Fünfzehnhundert Gäste, wie nachmittags prophezeit, waren es schlussendlich doch nicht geworden – Gott-sei-Dank! Die Stimmung war trotzdem ausgezeichnet. Sichtlich zufrieden gesellt sich der Hausherr zu der Handvoll übriggebliebener Partygäste an die Bar. Allesamt Steirer aus der Gegend – die wohl noch lange von der rauschenden Ballnacht erzählen werden …

Christoph Preschern hat also sein Ziel erreicht – und auch im Winter ein bisschen Schwung in die Südsteiermark gebracht. Die Pläne für die kommenden Monate sind schon ausgeheckt – wir bleiben gespannt!

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