Der den Traunsee rockt

| Sie sind hier: GASTWIRT-online » BUSINESS & ERFOLG » Der den Traunsee rockt

Er ist beseelt davon, etwas zu bewegen und den Lacus felix, den „glücklichen See“ touristisch zu beleben – sanft, nachhaltig, aber stetig. Zum 40er bekam er eine Ortstafel geschenkt: Gröllercity… Doch Wolfgang Gröller möchte sich kein Denkmal setzen, er will vielmehr Nachahmer motivieren und Mitgestalter finden, denn: Da geht noch mehr. Viel mehr!

Text: Astrid Minnich | Fotos: Martin Ögg

Ist Unternehmergeist vererbbar? „Ein bisschen vielleicht!“ grinst Wolfgang Gröller und erzählt von seinem Großvater, der in den 1960ern das Bahnhofsrestaurant St Valentin betrieb. Das einzige Wirtshaus an der Westbahnstrecke war damals weit herum ein Begriff. „Da gab es immer was zu essen“ erinnert sich Wolfgang Gröller gut an die Erzählungen vom Opa. Trotz – oder wegen der guten Geschäftslage – so genau lässt sich das heute nicht mehr sagen, hätte Großvater Gröller mit Begeisterung Ausflüge ins Salzkammergut unternommen und irgendwann wäre er über die „Post“ in Traunkirchen gestolpert. „Er hat das Hotel gekauft und gleich gewusst, die paar Monate Geschäft im Sommer würden nicht reichen, um das Ganze wirtschaftlich zu betreiben.“ Der Opa leistet Pionierarbeit: Er stattet alle Zimmer mit Bad und Heizung aus und bietet als eines der ersten Hotels in Österreich Seminare an. „Hunderte Spar-Mitarbeiter haben bei uns quasi ihr Handwerk gelernt. Ein Raum wurde mit Regalen ausgestattet, dort waren wie bei einer Puppenküche leere Verpackungen eingeschlichtet und so haben die Verkaufen trainiert.“

(c) www.traunseehotels.at

Zwei Betriebe hätte der weitblickende Opa dann noch erworben, erzählt Wolfgang Gröller: das Alpenhotel in Altmünster und eine kleine Pension am See in Traunkirchen – zweiteres als Pensionsversorgung. „Ein kleiner, einfacher Betrieb mit ein paar Zimmern zum See hinaus, nicht viel Arbeit,“ grinst der Enkel. Zehn Jahre hätte es der Großvater noch betrieben und richtige Freude damit gehabt - bis zu seinem Tod. „Der Großvater war ein „game-changer“ – und diese „Lust am Querdenken“ hat er weitergegeben. Erst meinem Vater und dann mir…“.

Sturm und Flaute

Die Problematik der Saisonen hat sich bis heute am Traunsee nicht geändert. Aber immerhin: Zwei der insgesamt fünf Gröller-Betriebe, nämlich das „Das Traunsee“ und „die Post“ funktionieren (fast) als Jahresbetriebe. So weit zu kommen, war nicht ganz einfach und den Standard zu halten, fordere immer noch seine Kreativität, gibt der Hotelier zu. „Wir überbrücken die schwach gebuchte Zeit zwischen Jänner und März, indem wir fleißig renovieren. Das Bootshaus hat sowieso Winterruhe, also übersiedeln wir mit der „Poststube 1327“ hinunter, die läuft mit kleiner Karte durch und wir können oben gemütlich arbeiten – irgendetwas ist sowieso immer zu tun. Spätestens eine Woche vor Ostern fahren wir beide locations wieder in Vollbetrieb.“

Für Gröllers Leuchtturmprojekt „das Bootshaus“ ist Vollauslastung Pflicht, sonst wäre das Lokal nicht auf Drei-Hauben Niveau zu führen. „Das Bootshaus gibt es jetzt sieben Jahre, alle haben mich für verrückt erklärt damals; ein reines Gourmetlokal am Traunsee, das könne nicht funktionieren! Ich bin stur geblieben und freue mich, dass ich Recht behalten habe.“

Tatsächlich sind Lukas Nagl und seine außergewöhnliche Küche mittlerweile nicht nur in elitären Gourmetkreisen ein Begriff, das Bootshaus wird zunehmend auch rund um den See bekannt und immer beliebter. „Was viel schwieriger war,“ lacht Wolfgang Gröller. Über siebzig Prozent der Fans kämen zwar immer noch aus einem Umkreis von mehr als 50 Kilometern, aber „dreißig Prozent Einheimische ist mittlerweile auch eine recht große Zahl, wir haben da schon was bewegt…“

Kraftvoller Start

Eine seiner vielen Initiativen, „Bewegung an den Traunsee zu bringen“, ist das Wirtshausfestival ‚Felix‘, das Wolfgang Gröller voriges Jahr aus der Taufe hob. Nach dem alten römischen Namen ‚lacus felix‘ – glücklicher See – betitelt, soll es allen Wirten am See die Möglichkeit geben, „mit einem bunten kulinarischen Programm kraftvoll in die Saison zu starten,“ denn: „Ende März, Anfang April kommt noch keiner nur wegen der schönen Natur an den Traunsee…“

Gröller ruft also 2016 – auf einer Autofahrt nach Kärnten – spontan das Netzwerk durch, in dem sich vor allem Lukas Nagl seit einigen Jahren höchst erfolgreich bewegt. „Lukas hat von mir freie Hand, bis zu acht Veranstaltungen jährlich zu besuchen – er ist dann hauptsächlich mit seinen „Jeunes Restaurateurs“ am Weg, kocht mit den besten Köchen der Welt und kommt sprudelnd vor Begeisterung zurück, vollgestopft mit neuen Ideen und jeder Menge spannender Kontakte im Gepäck.“ Entsprechend erfolgreich verläuft Gröllers Telefonmarathon: „Nicht ganz drei Stunden und ich hatte zwanzig Zusagen von Topköchen, zu uns an den Traunsee zu kommen und mit uns ‚Felix‘ zu sein.“

So weit, so fein – allerdings hatte Gröller die Rechnung ohne seine Wirte gemacht. „Die wollten schon, aber vor allem: erst mal schauen….“ Was dann passiert, ist purer „Gröller-Spirit“. „Ich hatte alle da, worauf hätte ich warten sollen?“ Es ist die Geburtsstunde der Pop-up Idee „Bäckerwirt“. Mit 300 Litern Farbe, einem Haufen geborgter Antiquitäten und jeder Menge helfender Hände küsst Gröller das seit vierzig Jahren geschlossene Wirtshaus im Zentrum von Ebensee wach.

„Ein vierhundert Jahre altes Haus, wir haben einen Kühlwagen davor gestellt, eine mobile Küche in der Garage installiert und dann – Vollgas! Die Vibes, die Stimmung – ich hab gar keine Worte, es war reine Gänsehaut, gewaltig.“ Die Premiere rockt, die Traunsee-Community merkt auf. „Was passiert denn da? Können wir nächstes Mal bitte dabei sein?“ Wolfgang Gröller grinst von einem Ohr zum anderen. „Das ist mein Ziel, alle sollen mittun wollen, Teil sein wollen – es gibt so viel zu
entdecken rund um den See, so viele Ideen, die einer allein nicht umsetzen kann. Gemeinsam aber schon!“

(c) www.traunseehotels.at

Muss nicht im Mittelpunkt stehen

Zweiundzwanzig Einzelveranstaltungen waren es 2018 – vierzehn stemmten Gröller und sein Team. 2019 waren es bereit vierzig Programmpunkte und nur mehr acht davon trugen Wolfgang Gröllers Handschrift. „Das geht in die richtige Richtung. Mein Ziel wären hundert Veranstaltungen und drei bis vier kommen von mir – so hätte ich das gern.“ Wobei er sich wohl auf außergewöhnliche Pop-ups spezialisieren wird, wenn es so weitergeht wie bisher… „Wir wärmen in unserer Küche nicht auf und ich will auch bei ‚Felix‘ jedes Jahr frisch kochen – ein Gourmetdinner mit Weinbegleitung kann natürlich dabei sein, aber grundsätzlich soll ‚Felix‘ eine andere Erwartungshaltung schüren – da sollen Dinge passieren, die es eigentlich nicht gibt. Letztes Jahr war es der Bäckerwirt und heuer – die Russenvilla.“

Mehr hip geht nicht, echt nicht

Erbaut in den 1840er Jahren von einer georgischen Adligen, Sophie Pantchoulidzeff, thront die ‚Russenvilla‘ auf einem Felsen hoch über Traunkirchen. Mit einem atemberaubenden Blick über den See, einem kleinen Ballsaal und zahlreichen Salons ist sie ein Sinnbild der Epoche „Sommerfrische im Salzkammergut“. Seit dreißig Jahren steht das Haus leer, ein skurriler Rechtsstreit um einen alten Kirchenweg, der mitten durch das Villengrundstück führt, verhindert die Nutzung als privates Wohnhaus. „Ich will schon lange, dass Jürgen Hesz seine Villa endlich herrichtet, damit ich sie für Veranstaltungen vermieten kann“ schmunzelt Gröller. Die letzten Jahre war er mit diesem Ansinnen aber auf taube Ohren gestoßen. „Beim Bäckerwirt hatte ich die Idee das erste Mal, dass wir heuer in die Russenvilla gehen könnten – und plötzlich war Jürgen begeistert.“

Ein paar neue Fenster, wieder reichlich Farbe und gefühlte hundert Stunden schrubben später, war das Werk vollbracht: „Dann haben wir an sechs Abenden den Geist der Sommerfrische heraufbeschworen!“ Wie ein Kind freut sich Wolfgang Gröller, dass es ihm gelungen ist, die passenden Köche zu engagieren. „Sergey and Ivan Berezutsky vom Restaurant Twins Garden in Moskau sind absolute russische Kochelite – die waren tatsächlich bei mir hier in Traunkirchen, ich kann es immer noch nicht fassen!“ Gröller war extra an die Wolga gereist, um die Zwillinge einzuladen – „Mehr „hip“ als die beiden, das geht fast nicht.“

Gröller hebt symbolisch ein Glas. Wie er das nächstes Jahr toppen will? „Niemand hat gedacht, dass wir den Bäckerwirt toppen können. Im Grunde will ich gar nix ‚toppen‘ – ich möchte eine coole Veranstaltung machen, bei der alle dabei sein wollen. Und die in Erinnerung bleibt. Das wird uns schon gelingen – ich bin da ganz entspannt und zuversichtlich.“

Kein Selbstdarsteller

Zum 40er hat Wolfgang Gröller eine Ortstafel geschenkt bekommen: „Gröller-City“ … Er nimmt den Seitenhieb gelassen. „Neid musst du dir hart erarbeiten – so gesehen ist es ja eine Ehre, ein bissl sekkiert zu werden.“ Er wäre ein Umtriebiger, das schon. Dass er getrieben sei, bestreitet Gröller aber vehement. „Ich muss immer was tun, das ist richtig und ich hab halt immer Ideen“ gibt er lachend zu. Zum Beispiel, wenn es darum geht, die dörflichen Kapazitäten zu nutzen. „Es gab und gibt so viele Leerstände im Ort – wenn jemand einen Zweitwohnsitz hat oder eine alte Pension, die er nicht selbst betreiben will, dann soll er sie einfach ein bissl herrichten und ich übernehm die Vermietung. Das ist mein Angebot.“

Gröller gehe es dabei absolut nicht um Profit, sondern um die Atmosphäre im Ort. „Wenn alles verfallen ist, überall nur staubige Auslagen und sich nix tut – da mag doch niemand kommen, oder?“ Das alte Kloster, das seit dem 17ten Jahrhundert leer steht, die Klosterstuben – für Wolfgang Gröller alles Orte mit touristischem Potential, das genutzt gehört. „Das hat nix mit Selbstdarstellungstrieb zu tun – das ist wirtschaftlicher Hausverstand!“, lacht Gröller.

Diesem Hausverstand entsprang auch die Gröllersche „Greisslerei“ am Traunkirchner Hauptplatz, die seine Frau – Monika Gröller – mit großem Einsatz und tollem Erfolg betreibt. Eigentlich sei ein „Alimentari“ geplant gewesen, mit Spezialitäten aus der Region – dann hätte sich zufällig eine
Kooperation mit einer Bekleidungsfirma ergeben und: „Plötzlich hat sich der Laden in eine völlig andere Richtung entwickelt, ist zu einem angesagten Treffpunkt geworden …“

Kein Wunder, die azyklischen Öffnungszeiten einer Gastronomie in Kombination mit dem Sortiment einer Modeboutique – eine bestechende Paarung, die es so nicht oft gibt, wie Gröller durchaus bedauert. „Ich finde es unendlich schade, dass uns die Bürokratie in vielen Bereichen das Leben so schwer macht. Manche Vorschriften – gerade was Arbeits- und Öffnungszeiten betrifft – werden so weit ab von jeder Realität getroffen, dass sich jede Diskussion erübrigt. Das musst du zur Kenntnis nehmen, sonst wirst trübsinnig.“

Dabei, so betont Wolfgang Gröller gern, hätte sein Betrieb von vielen zunächst als lästig empfundenen Gesetzesänderungen profitiert. „Wir sind dadurch professioneller geworden.“
Wie vor zwanzig Jahren hinter den Kulissen gearbeitet worden wäre und wie das heute abläuft, das könne man nicht vergleichen. „Heute kann bei uns jederzeit jeder schauen kommen, egal ob in die Küche, ins Büro, in die Buchhaltung – alles top in Ordnung. Auch wenn alle jammern – in Wirklichkeit sind die ganzen Dokumentationen, die uns da in den letzten Jahren vorgeschrieben wurden, schon auch für den Unternehmer selbst hilfreich.“

Manager oder Wirt?

Das Gröllersche Imperium – so will er es zwar nicht genannt wissen – besteht derzeit aus drei Hotels, der Greisslerei und der Skihütte seines Vaters am Feuerkogel. Um sein fleißiges Team zu beschäftigen vermietet er noch einige Appartements für deren Besitzer. Dazu kommen noch das Felix Wirtshausfestival und „was sich spontan noch ergibt“. Drängt sich die Frage auf, ob er selbst sich überhaupt noch als Wirt sehe, oder eher als Manager? Gröller beantwortet die Frage mit einem herzlichen Lachen.

„Ich bin immer noch Wirt, aber ein professioneller. Mit guter Organisation und ein bisschen Disziplin geht sich das schon aus.“ Außerdem wäre er nicht allein, wie er betont. „Ich habe wunderbare Mitarbeiter, meine Frau organisiert alle Umbauten, was Design und optische Gestaltung betrifft und mittlerweile habe ich es auch geschafft, Bereiche wie „Marketing“ oder „Online“ nicht mehr selbst zu machen.“ Damit bleibe sogar ein wenig Zeit für Familie und Hobbies. „Immer zu wenig, klar“ – aber dieses Problem hätten wohl die meisten Menschen, insbesondere Selbstständige.

In den letzten Jahren achte er vermehrt darauf, zumindest einmal im Jahr etwas für sich zu machen. „Einmal war es der Jagdschein, dann das Küstenpatent im Segeln und wenn mir nix in diese Richtung einfällt, geh ich Schifahren …“ Ein „Ausweichprogramm“, das ihm heurigen Winter fast zum Verhängnis geworden wäre. Da hat ihn nämlich ‚die Trass‘ abgeworfen – so nennen die Einheimischen rund um den Feuerkogel die unpräparierte Talabfahrt. „Mein Vater hat sich für die Pension gewünscht, Hüttenwirt zu sein. Das ist er jetzt am Feuerkogel und ich besuch ihn dort regelmäßig, auf seiner Kranabethhütte.

An dem Tag war herrliches Wetter, bester Firn am Berg, ich war mit einem Freund unterwegs. Wir hatten eine geniale Tour und sind dann auf ein Jauserl zum Papa. Natürlich haben wir gewusst, dass es in der Nacht bis ins Tal geregnet hat und die Trass vereist ist– das ist sie manchmal, normal kein Problem. Oben war es noch ganz okay – leider. Aber irgendwann auf der Hälfte war es nur mehr ein undurchdringlicher, spiegelglatter Eispanzer …“

Aufstehen - weitermachen

Als Gröller wieder zu sich kommt, liegt er im Graben, am Fuß des Bergs. Wie er dorthin kam, weiß er nur mehr ungefähr – „es hat mir die Bindung aufgeschlagen, es war ein unglaublicher Sturz….“ Dass er aufstehen kann und außer ein paar Kratzern nix passiert ist, hält er nach wie vor für ein Wunder.

„Meine Zeit war noch nicht um – der Herrgott wollt‘ mich noch nicht…“ Erst beim Warten auf die Rettung – den Hubschrauber hat er eigenhändig abbestellt – rutscht er aus und bricht sich die linke Schulter. „Das war irgendwie kurios, eigentlich war alles vorbei – und ich hab mir erst im Dezember die rechte Schulter gebrochen gehabt …“

Zwei Wochen später rockt er die Russenvilla.
Solche Kleinigkeiten bringen einen Gröller nicht um, denn: Da geht noch mehr, viel mehr. Am Traunsee.

bezahlte Anzeige

AM MEISTEN GELESEN

sponsored

ANFRAGE ZUM BEITRAG

Sie möchten nähere Details zu diesem Beitrag? Haben Fragen zu den dargestellten Themen oder zu vorgestellten Produkten und Lösungen? Schreiben Sie uns Ihr Anliegen und wenn wir die Antwort nicht parat haben, finden wir sie gerne für Sie heraus. Zur Bearbeitung Ihrer Anfrage speichern wir die unten eingetragenen Daten. Bitte lesen und akzeptieren Sie vor dem Absenden unsere Datenschutzerklärung.

Bitte geben Sie Ihren Namen ein.
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail Adresse ein.
Bitte geben Sie eine gültige Telefonnummer an.
Bitte geben Sie einen Betreff ein.
Bitte eine Nachricht eingeben.
Please check this field.

DIESE BEITRÄGE KÖNNTEN SIE AUCH INTERESSIEREN

sponsored

Sie sind hier: GASTWIRT-online » BUSINESS & ERFOLG » Der den Traunsee rockt