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Hogast Symposium 2019: Kann Spuren von Feenstaub enthalten

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Bereits zum 25. Mal lud die Hogast ihre Mitglieder im vergangenen Oktober zum großen Symposium nach Salzburg, über 800 Anmeldungen sprechen eine klare Sprache: die Hogast ist mehr als eine Einkaufgenossenschaft. Branchenaustausch, Weiterbildung, und „einfach mal wegkommen vom Alltag“ standen auf dem Programm. Die Highlights der Impulsvorträge: Mentale Kontrastierung und vegane Kondome! Der GASTWIRT hat für Sie mitgeschrieben.

Zwei Tage voll interessanter Vorträge, Genuss, Netzwerken und Weiterbildung: Beim Jubiläums-Symposium der Hogast versammelte sich bereits zum 25. Mal die Chefetage der heimischen Gastronomie und Hotellerie im Congress Salzburg. Die Mission: neue Denkansätze für den Berufsalltag aus den Impulsvorträgen schöpfen. Gabriele Oettingen, Professorin für Psychologie an der Universität Hamburg und New York, machte den Auftakt. Ihre Message mutete vielen jedoch erst einmal seltsam an. Denn Oettingen rief dazu auf, ein lange geübtes Verhalten über Bord zu werfen: „Positives Denken schadet Ihrer Zukunft!“, postuliert sie. Ihre wissenschaftlichen Studien belegen, dass unsere Zukunft in der Realität umso schlechter aussieht, je positiver wir sie uns vorab ausgemalt haben. Die kognitive Anstrengung die es dafür nämlich braucht, führe zum unbewussten Gefühl, bereits am Ziel angekommen zu sein – wodurch dieses nicht erreicht oder nicht das volle Potential der Zielerreichung ausgeschöpft werden kann.

Ganz weglassen, korrigiert Oettingen aber noch, sollten wir das positive Denken nicht – sondern eine Variable ergänzen: Erst durch ein visualisiertes Hindernis, einen Mangel, eine Hürde oder ein „Aber“ würde der Mensch die Energie aufbringen, seine Zukunftsphantasie konkret in die Tat umzusetzen! „Mentale Kontrastierung“ nennt die Wissenschaftlerin dieses Phänomen. Und wer die Hürde genommen hat, dem wissenschaftlichen Vortrag bis hierhin zu folgen, konnte nun erstaunliche Learnings für die Praxis mitnehmen. Denn die eigene Zukunft gestalten wir zu einem überwiegenden Teil selbst – wie das geht, zeichnet Oettingens „WOOP“ Modell auf:

1) Wish: Setzen Sie sich ein Ziel – es muss realistisch sein und Sie müssen seine Erreichung selbst beeinflussen können. Sich die „beste Saison aller Zeiten“ zu wünschen, wäre also als Ziel ungeeignet, das Wetter könnte dazwischen funken. Bessere Ziele wären hingegen in der nächsten Zeit mit dem Rauchen aufzuhören, den Mitarbeitern freundlicher gegenüber zu treten oder endlich mal wieder Sport zu machen.

Formulieren Sie das Ziel in wenigen konkreten Worten.

2) Outcome: Nun stellen Sie sich vor: Wie fühlt es sich an, wenn Sie das Ziel erreicht haben? Welche Emotionen steigen in ihnen auf? Welche positiven Auswirkungen hat die Zielerreichung für Sie?

3) Obstacle: Visualisieren Sie Ihr Hindernis – was steht Ihrem Wunsch entgegen? Was hält Sie davon ab, die Emotionen zu erleben, die Sie sich im letzten Schritt vorgestellt haben? Wie sieht die Hürde aus?

4) Plan: Im letzten Schritt überlegen Sie, was nötig ist, die Hürde zu beseitigen. Was braucht es, das Problem zu lösen? Machen Sie einen konkreten Plan um die richtigen Handlungen zu setzen, die das Hindernis umschiffen. Dazu formulieren Sie „Wenn-Dann Sätze“.

Ein Beispiel: Lautet Ihr Ziel „Bikinifigur“ (wish), ist vielleicht das allerschönste, Komplimente zu bekommen (outcome), wenn das Ziel erreicht ist. Gelegentlich stellen sich Ihnen aber Hürden (obstacle) in Form von Naschereien in den Weg… Haben Sie all das visualisiert folgt die Ausformulierung der Kausalbeziehung: „Wenn ich nach dem Mittagessen Lust auf etwas Süßes bekomme, dann esse ich statt Schokolade einen Apfel!“

Anders als Oettingen ließ Ökonom Stefan Schulmeister ratlose Gesichter zurück – empfanden die einen seine Ausführungen als „wissenschaftliches Blabla“, stimmten die anderen schlichtweg seiner politischen Gesinnung nicht zu – der Finanzkapitalismus wäre Schulmeister zuwider…
Philipp Siefer, der den zweiten Tag des Kongresses – gefeiert und begrüßt wie Popstar Beyoncé – eröffnete, traf da schon eher den Geschmack des Publikums, oder schaffte es zumindest, mit seinem Unternehmensgegenstand zu faszinieren… Unter der Marke „einhorn products“ vertreibt Siefers nachhaltig produzierte, vegane Kondome!

Besonders spannend sein Experiment in der Ottakringer Brauerei, als er mit Matthias Ortner, Vorstandsvorsitzender der Brauerei, die CEO-Sessel tauschte. Das Ergebnis: Siefer stellte eine Woche lang die traditionellen (Führungs-) Strukturen der Brauerei infrage, während Ortner inzwischen in Berlin Demonstrationen zur Weltverbesserung plante und im Einhorn-Jumpsuit Dosenbier trank. Beiden eröffneten sich so gänzlich neue Blickwinkel – vielleicht auch eine Idee für Ihren Betrieb?

Siefers Ratschlag: „Was ein Unternehmen auszeichnet, ist seine Kultur – in diesem Punkt werden Maschinen uns Menschen niemals das Wasser reichen können. Darum müssen wir uns fragen: Wie soll meine Unternehmenskultur denn aussehen? Was will ich leisten? Wie mit meinen Mitarbeitern umgehen? Und will ich der Gesellschaft etwas zurückgeben?“ Er empfiehlt, Produkte oder Dienstleistungen „unicornique“ zu machen – einzigartig, unterhaltsam, interessant und nachhaltig. Seine unicornique Geschäftsumsetzung: die Hälfte aller Vertriebseinnahmen wird bei Einhorn in nachhaltige Projekte reinvestiert, etwa den biologischen Kautschukanbau. Siefers Kondome zieren witzige Glückskekssprüche („kann Spuren von Feenstaub enthalten“; „Inhalt: sieben Kondome und bis zu 21 Orgasmen“). Oder er organisiert medienwirksam Flashmobs, um eine Steuersenkung für Damenhygieneprodukte zu erwirken. Hinter allem Spaß stecke aber immer das Ziel, die Gesellschaft als Ganzes ein Stückchen besser zu machen…

Uniconiqueness ist übrigens auch Siefers Tipp gegen den Fachkräftemangel: „Wer als Arbeitgeber interessant ist, braucht sich keine Sorgen zu machen, dass er Mitarbeiter findet!“ Push statt Pull lautet seine Devise. Doch Freiräume am Arbeitsplatz – seine „Einhörner“ dürfen u.a. ins Büro kommen wann sie wollen und im Kollektiv auch selbst ihr Gehalt bestimmen – bergen sowohl für den Arbeitgeber als auch die Mitarbeiter neue Herausforderungen. „Partnerschaften setzen Vertrauen voraus“, ist Siefer sicher und zeigte sich selbst ratlos auf die Publikumsfrage, wie seine Ideen sich denn im Dienstleistungssektor umsetzen ließen. „Es muss eine Möglichkeit geben, dass die Leute sich selbst einbringen können und auch wollen. Dafür braucht es Motivation, keine fixen Strukturen!“

Zukunftsforscher Matthias Horx warf zum Abschluss des Symposiums noch einen Blick in die Glaskugel und prognostiziert die „Rache des Analogen“, die in rund zehn Jahren das „postdigitale Zeitalter“ einläuten wird. Auch er sieht Vertrauen als zentrales Element der Gesellschaft, das jedoch in Zeiten der Digitalisierung immer weniger wird. Den Gastronomen und Hoteliers empfiehlt er daher, sich zwar einerseits vor der Digitalisierung nicht zu verschließen, andererseits aber auf den zu erwartenden Gegentrend schon jetzt aufzuspringen: „Legen Sie den Fokus auf Ihre Stärken, stellen Sie das sinnliche Erleben in den Vordergrund – ganz offline!“

Bis zum nächsten Hogast Symposium 2020!

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