Eine Suite, die verbindet

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Seit fünf Jahren lenkt Philip Patzel die Geschicke des schicken Hotel Altstadt Vienna und schafft es, unter den wohlwollenden Augen von Eigentümer Otto-Ernst Wiesenthal und gemeinsam mit der familiär zusammenarbeitenden Führungsriege jedes Jahr ein neues Highlight zu setzen. Der letzte Coup: Die UN-Suite – ein Meisterstück an Konzeptkunst, das dabei so casual daherkommt wie eine einfache Wiener Wohnung. Allerdings eine eines hochgradig Intellektuellen aus den 1960er Jahren.

Die Rechnung ist einfach: Die durchschnittliche Lebensdauer eines Hotelzimmers beträgt zehn Jahre. Dann ist die Mode einen Schritt weiter, die Badezimmer funkeln nicht mehr wie gerade in Betrieb genommen und sogar hochwertige Tischlerarbeiten wirken abgewetzt. Zeit für etwas Neues. „Im Altstadt bauen wir jedes Jahr zehn Prozent des Hauses um – das bedeutet fünf bis sechs neue Zimmer. Das ist finanzierbar und in zehn Jahren sind wir einmal durch, was auch ein überschaubarer Zeitrahmen ist.“, erklärt Philipp Patzel.
Neue Geschichte, neue Möbel, neue Dekoration – und nebenbei eine Generalsanierung, man gönnt sich ja sonst nichts… „Ein altes Haus wie unseres trägt leider immer auch Altlasten in sich – Bleirohre, Stromleitungen aus dem Jahre Schnee… Zwar typisch wienerisch, aber irgendwo hat die Nostalgie ein Ende. Besser, man macht diese Dinge neu, bevor sie Probleme machen…“
Philipp Patzel kam 2014 ins Altstadt Vienna und freute sich auf die Weiterentwicklung des Hoteljuwels: „Es muss nicht alles auf den ersten Blick zusammenpassen, aber auf den zweiten Blick sollte man einen Zusammenhang erkennen. In Anlehnung an Designpionier Josef Frank – dem wir 2016 eine Suite gewidmet haben – könnte man das Altstadt Vienna im positivsten Sinne als Ganzes dem Akzidentismus zuordnen“, lacht er herzlich. Er hat sich zum Ziel gesetzt, das erfolgreiche Konzept aus mutigen Farben, Formen, verschiedenen Designern und selbstbewusst gewürfelten Stilen thematisch zu integrieren und Otto Wiesenthals Lebensliebe, seine höchst private Kunstsammlung in Hotelform, strategisch weiter zu entwickeln. „Ein Gast hat das Hotel einmal als ‚quietschlebendig‘ bezeichnet – lebendig ja, quietsch nein“ grinst Patzel.
Ein wunderschönes Beispiel, wie er sich das vorstellt, ist die ehemalige Suite privée #73. „Es war unsere größte Suite – quasi die Präsidentensuite, die jedes Hotel mit ausreichend Platz in der Hinterhand hat, falls einmal Robbie Williams oder Rihanna anfragen.“ Allerdings: 110m², zwei Schlafzimmer, aber nur ein Badezimmer – „Wunderschöne Räume, aber ob der Größe selten um den potentiellen Vollpreis verkauft. Also war die Frage – was machen wir damit?“ Drei Monate dauerte das große Ideenwälzen: Zwei Suiten, die man zu einer Großen verbinden kann? Was machen wir thematisch? Wiener Lebensgefühl – was ist das?
Irgendwann sitzen Patzel und der mit der Planung beauftragte Roland Nemetz – seines Zeichens Architekt, Hotelier und Burgherr – wieder einmal beisammen und ihr Blick fällt auf eine aktuelle Zeitung… „Ich hab sie eigentlich etwas gedankenlos durchgeblättert und plötzlich war klar, wohin die Reise gehen muss: Salvini, Orban, Trump, Brexit, Protektionismus, Nationalismus, Populismus… Was sich gerade in der Welt abspielt, ist so das genaue Gegenteil davon, wofür wir als Haus stehen wollen. 2019 feiern wir 40 Jahre UNO-City in Wien plus 100 Jahre Bauhaus-stil – wir machen aus unserer Präsidentensuite die UN-Suite! Ein Zeichen für Toleranz, Multilateralismus und Offenheit.“
Patzel attestiert Roland Nemetz ein „geniales Händchen, wenn es darum geht, Altes in einen neuen Kontext zu setzen“ – in seiner Burg Oberranna in der Wachau hätte er das mit einer etwas anderen Epoche ebenfalls perfekt geschafft. Und tatsächlich baut Nemetz aus unglaublich vielen Puzzleteilen ein perfektes Echo der 60er Jahre mit deutlichem Wien-Bezug: Wien ist einer von weltweit nur vier Standorten mit UNO-Headquarter. Oskar Niemayer und Le Corbusier waren maßgeblich an der Gestaltung beteiligt, beide waren geprägt von Bauhaus – in der Suite steht jetzt ein Sofa nach einem Entwurf von Le Corbusier. Einen originalen Bauhaus-Schreibtisch gibt es auch... „Auf dem Tisch hat Otto Wiesenthal damals seinen Businessplan für das Altstadt Vienna geschrieben!“ Ronald Rainer entwarf 1951 – in dem Jahr entstand das UNO-Headquarter in NY – einen mittlerweile ikonischen Stuhl, der steht jetzt ebenfalls in der Suite und erinnert daran, dass Herr Rainer als Juryvorsitzender für den UNO-Architektenbewerb in Wien dem Wiener Johann Staber den Zuschlag erteilte. Ein Egg-Chair von Arne Jacobsen, diverse Lampen aus den 1960ern, an den Wänden österreichische Künstler aus der Zeit – Marcel Breuer, Karl Auböck; Protagonisten einer offenen Gesellschaft – der Betrachter steht mit offenem Mund…
Mit Leichtigkeit schlägt Nemetz die Brücke zur Populärkultur der 1960er – an der Wand prangt in Leuchtschrift eine Textzeile von Imagine: „You may say I’m a dreamer, but I’m not the only one.“ Unsterblich und brandaktuell. Genau wie der Revolver mit verknotetem Lauf, der – einst von Frederik Reuterswärd als Symbol gegen Krieg und Gewalt entworfen, nach wie vor mahnend vor dem UNO-Headquarter in NY steht. Yoko Ono replizierte die ‚knotted gun‘ in einer limited edition in himmelblau – und eine solche kann jeder Gast im Altstadt-Vienna im Original bestaunen. Natürlich nur, so er die UN-Suite rechtzeitig reserviert hat. „Ja, es scheint, als wäre uns da etwas gelungen und als hätten wir einen Nerv getroffen“, lächelt Philipp Patzel bescheiden. „Manchmal hat man halt zufällig zur richtigen Zeit die richtige Idee.“ Und die passenden Möbel im Keller… www.altstadt.at

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