(c) Robert Herbst

In High Heels durch den Weingarten

| Sie sind hier: GASTWIRT-online » BUSINESS & ERFOLG » In High Heels durch den Weingarten

Sie nennt sich selbst ein „Landei“ – schließlich sei sie auf einem kleinen Bauernhof in Kärnten aufgewachsen. Vielleicht war gerade diese solide Basis ausschlaggebend für ihre steile Karriere in der Hotellerie? Angelika Stranner ist jedenfalls eine Hoteldirektorin die anpackt, wenn es notwendig ist. Mit dem GASTWIRT hat sie über Routinen im Job und Hummeln im Hintern gesprochen und warum sie sich im LOISIUM Wein und Spa Resort richtig daheim fühlt.

Angelika Stranner kommt gerade von ihrer ‚Morgenrunde‘ zurück. „Passt, alles wie immer!“, meint sie strahlend, und klaubt noch ein Stück Silberpapier vom Kiesboden auf, bevor sie sich auf den Weg in den Frühstücksbereich macht.

„Das ist mein morgendliches Ritual, wenn ich im Hotel ankomme: ich starte meinen Computer, gehe über die Rezeption in den Spa-Bereich und dann in Richtung Restaurant und begrüße meine Mitarbeiter. Passt alles? Sind alle da? Ist alles sauber, funktionieren die Lampen und liegt nix rum?! Dann bin ich gleich up-to-date!“, erklärt sie. Die Kaffeemaschine im Frühstücksbereich ist dann der letzte Stopp ihrer Tour, bevor der Arbeitstag der Hoteldirektorin des LOISIUM Wine & Spa Resort in Langenlois beginnt.

„Ich bin leider so überhaupt kein Morgenmensch, nach der ersten Tasse geht’s dann langsam“, meint sie. Für gewöhnlich gäbe es aber in der Morgenrunde ohnehin nur wenig zu beanstanden und dieses erste kleine feine Ritual bringt einmal den Kreislauf in Schwung.

Von Arbeitsroutinen und Stöckelschuhen

Angelika Stranner liebt ihre Routinen. Denn Ordnung muss sein, in ihren Excel-Sheets, Reportings, Mitarbeiterplänen und Meeting-Vorbereitungen. Ihr Leben und Arbeiten nach einer fixen Struktur auszurichten hat sie schon früh gelernt: „Ich bin auf einem kleinen Nebenerwerbsbauernhof in der Nähe von Spittal an der Drau in Kärnten aufgewachsen. Für meine Mutter hat das bedeutet: Aufstehen mit dem Sonnenaufgang, Kühe versorgen, uns Kinder für die Schule fertig machen. Und dieselbe Routine galt für uns an den Wochenenden: Dann haben wir gemeinsam mit den Eltern, je nach Jahreszeit, von der Heuernte bis zum Holzhacken alles gemacht.“

Auf einem Bauernhof sei eben immer viel zu tun: „Es hat mich damals schon oft ziemlich geärgert, wenn meine Freunde zum Baden an den See gefahren sind, und wir mussten zuhause bleiben und mithelfen. Aber so war das eben – und bis heute bewundere ich meine Eltern dafür, wie sie das alles geschupft haben.“ Im Hotel, so meint Stranner, seien manche Strukturen heute ähnlich wie am Bauernhof: „Ein Hotel kannst du nicht einfach zusperren, wenn du einmal keine Lust oder einen schlechten Tag hast!“ Solche Tage wären aber ohnehin die absolute Ausnahme – denn Stranner liebt ihren Beruf.

Der Fotograf für unser Fotoshooting ist mittlerweile eingetroffen. Er kennt das LOISIUM und schlägt ein paar Schnappschüsse im Weingarten vor. Die Kulisse ist hier auch wirklich einmalig: Das Hotel „schwebt“ über der Erde und der feingliedrige Aluminium-Mantel, in den es vom Architekten Steven Holl gehüllt wurde, verleiht dem Kubus auch nach dreizehn Jahren noch einen futuristischen Touch.

Stranner marschiert voraus – mit den High Heels durch die trockene Erde, zwischen den Reben hindurch. Bewundernd nicken der Fotograf und ich uns zu und eilen hinterher; das Outfit der Hoteldirektorin sitzt perfekt. „Soll ich mich hinsetzen?“, fragt Stranner und lässt sich – schneller als wir antworten können – grazil in die Wiese zwischen den Reben gleiten. Schock! Mein entsetzter Blick auf ihr Etuikleid, das gerade so einiges an Dreck abbekommen hat, entgeht ihr nicht, sie lacht los: „Ach, das kann man doch waschen! Keine Sorge!“

Probleme damit, sich schmutzig zu machen oder anzupacken hat sie also sichtlich wirklich nicht – eine charmante Tugend, gerade im Managementbereich. Bescheiden winkt sie aber ab: „Ein gutes Auftreten gehört für mich dazu; und Shopping und vor allem Schuhe sind außerdem auch eine große Schwäche von mir. Aber ich bin eben trotzdem ein Landei und das wird sich niemals ändern“, grinst sie und klopft noch einen Erdbrocken vom Stoff.

 

(c) Robert Herbst

Der Dickschädl und die Hotellerie

Eine Karriere als Hoteldirektorin war Angelika Stranner keineswegs vorgezeichnet: „Niemand in meinem Bekannten- oder Verwandtenkreis arbeitete in der Hotellerie. Ich hatte also absolut keine Vorstellung davon, wie dieser Beruf eigentlich ist. Und trotzdem habe ich mit zwölf oder dreizehn beschlossen, einmal im Tourismus zu arbeiten.“ Mit dieser fixen Idee im Hinterkopf sollte Stranner aber erst einmal ihre Schule abschließen – so der Wunsch der Eltern.

Als sie nach der Matura noch immer ins Hotel will, stärkt ihr die Familie den Rücken. „Die kannten meinen Dickschädel und wussten, dass ich den ohnehin durchsetze!“, lacht sie, und erzählt gut gelaunt von ihrem ersten Hoteljob mit einundzwanzig. „Im Falkensteiner am Katschberg; das war nicht weit weg von zuhause, und ich hatte immer die Möglichkeit, meine Eltern zu sehen.“

Bloß: Stranner blühte im Frontoffice richtig auf! Die Besuche bei den Eltern wurden mit der Zeit sporadischer, ihr Leben spielte sich immer mehr im Hotel ab, und als sie es sich gerade in ihrem Dienstzimmer so richtig gemütlich gemacht hatte, kam das erste Angebot weiterzuziehen: Kitzbühel, A-ROSA, wo sie sich erstmals als „Gastgeberin“ beweisen sollte.

Amors Daily Business

Für unser Interview sitze ich mit Angelika Stranner nun an der Bar des LOISIUM. Über uns leuchtet eine orangefarbene, ziemlich futuristische Deckenlampe. „Das ist unsere ‚Frog Lamp‘! Die hat Steven Holl, der Designer des LOISIUM, so getauft, weil die Leuchtverstrebungen aussehen, wie die Finger eines Frosches! Haben Sie übrigens das Pendant dazu schon entdeckt? Eine zweite Frog Lamp ist in den Boden zwischen Erdgeschoss und Saunabereich eingelassen und bringt so Tageslicht in die Saunawelt im Untergeschoss“, erklärt Stranner gerade einem Gast neben uns, der die Leuchte ebenfalls interessiert mustert.

Er zeigt sich begeistert von den Designelementen und Stranner pflichtet ihm bei. „Das mag ich so sehr an meinem Beruf, dass ich ständig im Austausch mit meinen Gästen bin; ich sitze gern hier und es passiert schon einmal, dass ich ein bisserl länger als geplant zum Quatschen dableibe.“ Das wichtigste in der Hotellerie, da ist Stranner sicher, sei nämlich die Nähe zum Gast. „Es ist ja kein Geheimnis: manchmal muss man einfach nur gut zuhören, um zu erfahren, wie man einen Gast glücklich machen kann!“

Grundstein für dieses Verständnis war sicherlich ihr Gastgeber-Posten im A-ROSA. Angefangen von der ersehnten Buttermilch am Frühstücksbuffet, über die von ihr organisierte Heli-Ski-Tour bis hin zur Organisation ausgefallener Weihnachtsgeschenke am 24.12. („Weihnachten kommt ja doch immer so überraschend … “), war es dort ihre Aufgabe, den Gästen jeden Wunsch zu erfüllen. „Heiratsanträge waren da für mich schon quasi Tagesgeschäft“, lacht sie und ist besonders stolz darauf, vor allem den weiblichen Gästen Freude bereitet zu haben: „Ich habe die Herren dann gerne ganz sachte angeleitet und sie ein bisschen inspiriert, diesen wunderbaren Moment wirklich einzigartig zu machen – und jeder sollte das Gefühl haben, es wäre ganz allein seine Idee gewesen!“

So wurde zum Beispiel aus dem Buffetrestaurant, wo einer der Antragenden seiner Liebsten den Ring im Sektglas überreichen hätte wollen, auf magische Art und Weise eine Cabrio-Ausfahrt mit Picknick auf den Großglockner… „Ein romantischer Antrag vor Gletscher-Panorama – der junge Mann war der Held der Woche!“, grinst Stranner verschmitzt.

Steil bergauf

Diese Nähe zu ihren Gästen ist Angelika Stranner noch heute im LOISIUM wichtig – genauso hält sie es mit ihren Mitarbeitern: „Die Tür zu meinem Büro steht immer offen, es ist längst Faktum, dass  sich heutzutage die Mitarbeiter aussuchen, wo sie gerne arbeiten möchten und nicht umgekehrt; also müssen wir unseren Teil dazu beitragen, ein attraktiver, angenehmer Arbeitgeber zu sein!“ Darum herrschten im LOISIUM auch flache Hierarchien, jeder – auch sie selbst – packe mit an, wenn nötig und stets versuche Stranner, ihre Mitarbeiter so gut wie möglich zu fördern. „Fortbildungen, Teamausflüge, Weinverkostungen, persönliche Empfehlungen – alles was einen Mitarbeiter beruflich wie auch persönlich weiterbringt, versuche ich ihm zu ermöglichen.

Das habe ich von meinen früheren Direktoren gelernt, die mir menschlich viel beigebracht und mir auch im Job viele Türen geöffnet haben.“ Bis heute habe sie ein gutes Verhältnis zu allen früheren Vorgesetzten. Und so – über die Empfehlung des Direktors im A-ROSA – wagte Stranner 2013 auch den Weg hinaus in die weite Welt. „Ich glaube, es ist so mein magischer Rhythmus – nach ungefähr drei Jahren in einem Job habe ich immer das Bedürfnis gespürt, weiterzuziehen. Die Hummeln im Hintern haben mich vorangetrieben – damals eben von Kitzbühel nach Fuerteventura!“ Für zwei Stationen und vier Jahre bleibt sie in Spanien und erfüllt dort im Robinson Club Gästen am Strand alle Wünsche.

(c) Robert Herbst

Mein Team, meine Familie

Ob es Fernweh war? „Ich kann es nicht sagen. Aber so wirklich weit weg hat es mich auch nie gezogen. Europa ja, alles andere war nicht wirklich auf meinem Radar.“ Der Rückhalt von zuhause ist ihr immer geblieben, die Möglichkeit im Notfall zurück zu kommen immer da. „Da ist es mir gar nicht schwergefallen, in die Welt hinaus zu gehen!“

Außerdem entwickelt Stranner im Laufe der Jahre, in denen sie nur selten und immer nur für ein paar Tage in der Heimat zu Besuch ist, ein gänzlich neues Familienverständnis: „Ich liebe meine Familie in Kärnten über alles, ich liebe meinen Job und ich liebe das Gefühl, Familie um mich zu haben. Das scheint auf den ersten Blick ein Widerspruch – aber für mich ist ‚Familie‘ irgendwann viel mehr geworden als meine Eltern und Geschwister daheim in Kärnten. Wenn du in einem Hotel rund um die Uhr mit Leuten zusammen bist, zusammen arbeitest und -lebst, dann werden diese Menschen zu einer zweiten Familie. Eine Familie, die du dir aussuchst – und das ist für mich etwas Wunderschönes!“

Diese ‚ausgesuchte‘ Familie ist Stranner ganz wichtig, sorgfältig pflegt sie den Kontakt zu vielen ihrer ehemaligen Kollegen bis heute. Ein bisschen bedauert sie, dass ihr von den Freunden aus ihrer Schulzeit nur eine Handvoll geblieben sind. „Freundschaft pflegen kann jobbedingt bei mir nicht heißen, dass ich mich regelmäßig mit allen Menschen treffe, die mir wichtig sind – dazu habe ich einfach nicht die Zeit.

Viele Schulfreunde haben das leider nicht verstanden.“ Ehemalige Kollegen wüssten natürlich, wie fordernd die Hotellerie sein kann – und man arrangiere sich damit. Darüber hinaus würde Social Media sehr helfen, sich gegenseitig auf dem Laufenden zu halten – aber: „Es hat dann auch eine ganz besondere Qualität, wenn ein paar Leute von verschiedenen Orten in der Welt ganz spontan für einen Tag in eine Stadt fliegen, um zumindest einmal im Jahr ein paar Stunden miteinander zu verbringen!“, lacht Angelika Stranner. „Das sind alles Hotelmenschen, die ähnlich ticken und wir brauchen auch nicht jeden Tag telefonieren, um uns zu versichern, dass wir uns mögen.“ Dass ihr Partner auch so ein „Hotelmensch“ ist, wäre Zufall gewesen, „aber es erleichtert vieles“, gibt Stranner zu.

Was machen die Hummeln jetzt?

Nach unserem Interview setzen Angelika Stranner und ich uns noch auf ein Glas Winzersekt in die GrüVe®-Lounge und genießen die Ruhe inmitten der Weingärten. Ob Stranner denn in Kürze wieder von den Hummeln in ihrem Hintern weitergetrieben würde? „Nein“, kommt die Antwort prompter als erwartet. „Mit einunddreißig habe ich in Langenlois zum ersten Mal in meinem Leben eine eigene Wohnung bezogen; das Leben hier ist fast so idyllisch wie in meiner Heimat in Kärnten; und mein Job ist großartig. Ich kann von meinen beiden Geschäftsführern noch so viel lernen, fühle mich hier wohl und meine ausgesuchte Familie wächst – bis ich von hier weiterziehe, wird es wohl noch einige Zeit dauern – was dann aber kommt… Ich lasse mich überraschen!“

Angelika Stranner im Weingarten (c) Robert Herbst

bezahlte Anzeige

GHC_Skyscraper_300x600

AM MEISTEN GELESEN

ANFRAGE ZUM BEITRAG

Sie möchten nähere Details zu diesem Beitrag? Haben Fragen zu den dargestellten Themen oder zu vorgestellten Produkten und Lösungen? Schreiben Sie uns Ihr Anliegen und wenn wir die Antwort nicht parat haben, finden wir sie gerne für Sie heraus. Zur Bearbeitung Ihrer Anfrage speichern wir die unten eingetragenen Daten. Bitte lesen und akzeptieren Sie vor dem Absenden unsere Datenschutzerklärung.

Bitte geben Sie Ihren Namen ein.
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail Adresse ein.
Bitte geben Sie eine gültige Telefonnummer an.
Bitte geben Sie einen Betreff ein.
Bitte eine Nachricht eingeben.
Please check this field.

DIESE BEITRÄGE KÖNNTEN SIE AUCH INTERESSIEREN

Sie sind hier: GASTWIRT-online » BUSINESS & ERFOLG » In High Heels durch den Weingarten