Piep.Motz

Der Piep.Motz fliegt in der Welt der Gastronomie herum und berichtet über seine Erfahrungen. Haben Sie auch amüsante, ärgerliche oder außergewöhnliche Momente, die Sie gerne mit uns teilen möchten? Senden Sie uns Ihre Erfahrungen unter piep.motz@gastwirt.co.at und wir veröffentlichen sie!

Juli 2019

Fehler:Chance

„Einen Aperol Prosecco und einen Aperol Soda bitte.“ Es dauert ein bisschen, aber dann kommen ein – kleines – Sektglas und ein – großes – Longdrinkglas mit den Drinks. Ohne groß nachzufragen greift ER zum großen Glas – und verzieht das Gesicht. Er deutet dem Kellner, er möge bitte den Drink wie geordert OHNE Proseco bringen, worauf der junge Mann mit ihm zu diskutieren beginnt: „In diesem Drink ist NUR Soda drinnen.“ Der Gast bleibt hart und wenig später kommt der Kellner elastischen Schrittes retour und vertauscht mit einem entschlossenen Handgriff die beiden Gläser. „Sie haben Recht, die an der Bar haben sich geirrt ...“

Das Pärchen akzeptiert amüsiert – auch wenn die beiden die Logik der Glaswahl nicht nachvollziehen können. Erst als die Rechnung kommt – beide Drinks kosten gleich viel, wird ER stutzig: „Wie jetzt? Ist das die Strafe für die unorthodoxe Bestellung?“ Ein Blick auf den Beleg macht die Verwirrung perfekt: 1 Ap-Soda =1/8 Liter Sodawasser plus 1/16 Aperol – steht da zu lesen. Wie bitte soll das funktionieren? Das Sektglas fasst gerade mal 0,1 Liter und war nicht einmal bis zum Eichstrich gefüllt …. Der Kellner – ratlos, aber einsichtig – holt bereitwillig den F&B-Manager … Der zuckt – tatsächlich! – die Schultern und brummelt etwas von „Vorgaben“, bevor er weitgehend widerstandslos – aber auch gänzlich leidenschaftslos – einen Euro und ein paar Cent herausrückt …
Dumm gelaufen, ohne Frage. Korrekt gelöst, auch kein Zweifel. Nur: SO macht man aus einem verunsicherten Gelegenheitsgast keinen begeisterten Stammgast – dabei wäre das in dieser Situation so einfach gewesen…
Was meinen Sie?

Juni 2019

Auf die Größe kommt's an

Gastronomen sind ja echt ein witziges Völkchen, findet der Piepmotz. Brüllend lachen muss der Motz kürzlich, als er bei einem Gastro-Branchentreff zufällig dem angeregten – vielleicht schon leicht angesäuselten – Gespräch zweier gestandener Mannsbilder lauscht. Einer der beiden Herren reißt nämlich plötzlich die Arme hoch und zieht alle Aufmerksamkeit auf sich: „Sooo groß ist er!“ ... „Wie bitte? Aha?!“, denkt der Piepmotz und lauscht genauer hin. Das Gegenüber des Ersten schüttelt den Kopf. „Na, meiner ist noch viiieeel größer!“, meint der, „so ungefähr von der Wand da drüben bis hier her!“
Bewunderndes Staunen und zustimmendes Nicken des Ersten.
Der Piepmotz hält‘s fast nicht mehr aus, grinst schon über beide Ohren – was ist denn da bitte los? Doch ein Schelm wer Böses denkt!! Es geht – nichts anderes war zu erwarten! – um Fettabscheider ...
Als neutraler, wenngleich laut prustender, Schiedsrichter entscheidet der Piepmotz im Stillen: Kanditat Numero zwei hat gewonnen. Er hat eindeutig den größeren ...

Mai 2019

Kleinvieh macht Mist

Der Piepmotz hat sich kürzlich ein Wellnesswochenende gebucht – herrlich: zwei Tage um nix kümmern, tagsüber im Spa entspannen und abends im Restaurant verwöhnen lassen. Der Plan geht vorerst auf: Tiefenentspannt trifft der Motz nach dem Wellnessen im Hotelrestaurant ein. Und weil er so tiefenentspannt ist, schaut er großzügig darüber hinweg, dass der Kellner den falschen Wein bringt. „Egal, schmeckt auch gut!“ Bei der zweiten Flasche betont der Piepmotz dann aber, dass er wirklich gerne den 2016er hätte. Serviert wird der 17er. Die Verwunderung ist weiters groß, als zum Hauptgang Rotweingläser eingestellt werden – wer hat den denn bestellt? Fehler gefunden: das Paar am Nebentisch.
Zum Essen haben die übrigens ein Filetsteak und ein Rib-Eye geordert: einmal durch, einmal rare. Bloß: welches Fleisch wie gebraten werden soll, interessiert die Kellnerin nicht... Das Sorbet als Zwischengang hat das Paar außerdem abbestellt. Was kommt? Sorbet! Aber das ist ja nix gegen den anderen Nachbartisch: Das dort bestellte 7-Gang-Menü wird von der Kellnerin gleich einmal mit dem Hauptgang eingeleitet – Reihenfolge wird scheinbar überbewertet...
All das schaut sich der Piepmotz an, und weil so entspannt, scheinen die vielen Kleinigkeiten erst nicht so gewichtig. Weil der Piepmotz doch wirklich gerne Fehler übersieht, wenn sonst alles passt. Dann steht aber noch eine Flasche zu viel auf der Rechnung – was mit „oh, fein, hab ich sie gefunden“ vom Kellner kommentiert wird. Und jetzt ist das Fass voll – die Entspannung dahin. Ganz offiziell geht der Abend als großer Flop in die Annalen ein.

April 2019

Einfach machen lassen

Kürzlich war die Piepmötzin mit den Kolleginnen zum Abendessen in einer Burgerkette.
Cool ist sie geworden, die neue Filiale in der Innenstadt ...
Das Essen ist bestellt, die Damenbäuche knurren vor Hunger und die Runde macht sich wie wild über die Burger her, die wirklich die ruck-zuck am Tisch stehen. In puncto Dipsaucen verkalkuliert, bestellt die Runde Fritten nach – „Süßkartoffel auch!“, „ah, und Zwiebelringe bitte!“ Als hätten sie wochenlang nichts gegessen ... Und genauso fühlt es sich jetzt plötzlich auch an, nachdem die Burger verdrück sind – denn die zusätzlich bestellten Sidedishes kommen einfach nicht. Kommen nicht. Kommen nicht. Nachdem die Kellnerin, die eigentlich nur die Getränke bringt, schon zum dritten Mal – sich ausgiebig entschuldigend – am Tisch eintrudelt, rast sie höchstpersönlich in die Küche. Und zack, stehen da plötzlich nicht nur die bestellen Pommes, Süßkartoffel und Zwiebelringe am Tisch. Sie hat die Ladung verdoppelt! Mit schlechtem Gewissen bietet sie außerdem noch ein Dessert an – „und die Runde Getränke geht auch aufs Haus!!“
Vollkommen verdutzt über so viel Zuwendung und so viele Entschuldigungs-Draufgaben verlässt die Runde das Lokal eine Stunde später. Vollgestopft bis obenhin – aber sehr glücklich. Ein Tisch für das nächste Treffen wurde vor Ort noch reserviert.
Gästebindung kann so einfach sein – wenn das Personal einfach machen darf! Danke!

März 2019

Appartement Bewohner müssen draußen bleiben

Der Piepmotz hat einen Kollegen und der fährt jedes Jahr in den Semesterferien Schifahren. Nach Leogang, mit seiner Frau, den drei Kinder und den Schwiegereltern. Die Familie bewohnt ein Appartement, Kochmöglichkeit wäre also vorhanden; der Schwiegervater aber mag lieber raus – essen gehen gehört für ihn halt dazu.
Bloß: in Leogang hat sich in den vergangenen Jahren so einiges verändert…
„Früher waren wir jeden Tag wo anders essen“, motzt der Kollege, „aber jetzt haben die ganzen Hotels abends nur noch ihr Abendmenü. Und das ausschließlich für die Hotelgäste!“ Mit dem Auto aus dem Ort rauszufahren ist keine Option – weil mit den Kindern mühsam und außerdem muss dann ja immer einer auf den Wein verzichten. „Der angebotene Kompromiss in einem der Hotels: Wir sollen einen genauen Timeslot einhalten. Ach, und á la Carte gibt’s auch nicht – nur das Menü. Was glaubst, erstens, wie mir die Kinder die Ohren vollgeraunzt haben, von wegen sie wollen Schnitzel?! Und zweitens hab ich auch keinen Bock drauf, beim Essen ständig auf die Uhr schauen zu müssen …“
Die immer mehr werdenden Selbstversorger-Appartements in Leogang, so ist sich der Kollege sicher, würden die Engpässe in der Abendverpflegung noch schüren. Die zwei Betriebe in der Gegend, die abends normalen Restaurantbetrieb fahren, wären immer entsprechend ausgebucht.
Was nach dem Schiurlaub bleibt, ist vor allem der Ärger des Schwiegervaters. Wäre er doch so gerne ausgegangen, musste er sich mit den selbstgemachten Marmeladepalatschinken seiner Tochter zufrieden geben. Eh ok. Die große Frage die sich aber weiterhin stellt: Haben die Unternehmer in Leogang mit Ihrem Strategiewechsel recht? Hausgäste bevorzugen und auf á la Carte pfeifen? Oder wäre es nicht vielleicht doch sinnvoll, neue Konzepte zu überlegen?