Die Besitzer der Strandbar Herrmann, Rudi Konar und Xandl Kaiser. Foto: Marlene Fröhlich

Die Strandbar-Pioniere

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„Bitte wie komm ich bei dir aufs Titelblatt?“ Fragender Blick, treuherziger Augenaufschlag. „Easy. Fette Kohle oder eine gute G’schicht.“ Stille. „Und coole Fotos.“ Stille. „Passt. Wir graben uns im Sand ein und machen ein Foto, wo man nicht mehr sieht, wer wer ist!“ „Bitte, wie?“
No risk, no fun: Vorhang auf für Rudi Konar und Alexander (Xandl) Kaiser, Wiener Strandbarpioniere und – wirklich für (fast) jede schräge (Foto)Idee zu haben …

Text: Astrid Minnich | Fotos: Marlene Fröhlich

Das Aprilwetter im Mai hat das Sandeingraben letztlich vereitelt – bei frösteligen dreizehn Grad sieht es zunächst sogar tatsächlich so aus, als würde überhaupt keine rechte Strandstimmung aufkommen … Doch unsere Fotografin Marlene Fröhlich findet (wie immer) das richtige Rezept:

Alexander (Xandl) Kaiser und Rudi Konar in ihrer Strandbar Herrmann. Foto: Marlene Fröhlich

„Bewegung Jungs!“

Die upcycling-Strandmöbel aus LKW-Planen machen den Anfang – Rudi links, Xandl rechts davon – Xandl sitzend, Rudi knotzt gegenüber – dann das Ganze von oben; ein paar Cocktails dazu – für den authentischen Touch … Volley geht es hinüber zur kleinen Bar – Rudi schmeißt sich gleich quer über den Tresen und Xandl erstickt fast vor Lachen, weil er sich ebenfalls lässig hinauf schwingen will und – es nicht sofort gelingt; also zumindest nicht lässig … Als Rudi erkennt, dass sein als „was Oranges halt“ georderter Drink doch nicht ganz alkoholfrei ist, ist es bereits zu spät – der Schelm ist geweckt und kaum ist ein Motiv im Kasten, fällt ihm noch eine Ecke ein, wo er „immer schon einmal“ hinaufklettern, herunterhupfen, hineinkraxeln oder herauslinsen wollte. Bei Xandl dauert es bis zum großen Wandgraffiti – aber dann, beim Riesenfisch, der „I love you babe“ blubbert, ist das Eis gebrochen; beide Herren posen, dass kein Auge trocken bleibt – sogar Marlene verwackelt ein paar Fotos, weil wir alle so lachen müssen …

Alexander (Xandl) Kaiser und Rudi Konar in der Strandbar Herrmann. Foto: Marlene Fröhlich

Ganz ernst – oder so …

Eine knappe Stunde später ist das fröhliche Treiben vorbei und als wir uns um die typische runde Bar versammeln, die die Strandbar Herrmann optisch unverwechselbar macht, kann ich mir die Frage nicht verkneifen, ob die beiden Männer es hier am Donaukanal immer so lustig hätten? „Nein“ – schütteln beide heftig den Kopf, „eigentlich ist es das voll harte Geschäft und wir sind normal ganz anders …“ Spricht Rudi und versucht ernst dreinzublicken – was natürlich wieder eine Lachsalve auslöst.

Begonnen hat die gemeinsame Gastro-Geschichte der beiden Freunde 2003 – auf einem Städtetrip nach Berlin. Zufällig stolpern Rudi, damals fulltime Online Marketer, und Xandl, damals bereits Gastronom, abends über die „Strandbar Mitte“ und sind begeistert. „Die Stimmung, die Kulisse, das Publikum – es war großartig, uns war in der Sekunde klar, dass wir so was in Wien auch brauchen ...“ Die Location ist rasch gefunden – der Beserlpark zwischen Rot-Kreuz-Rettungszentrale und Urania, direkt an der Wienflussmündung schreie geradezu nach einer attraktiven Nutzung, sind die Freunde einig; „Picknick bei Herrmann“ war zwar nett, aber längst nicht alles, was man dort machen könne. Der Antrag ans Magistrat ist rasch gestellt und – oh Wunder – alle Abteilungen, bis hinauf zum Bürgermeister, sind begeistert von der Idee.

Foto: Marlene Fröhlich

„Wir waren die Kaiser, haben zur Feier des Tages einen Schampus geköpft – und dann ist alles echt schnell gegangen“, führt Rudi Konar mit todernster Miene aus und ich denke mir weiter nix dabei. „Total schnell“, bestätigt Alexander Kaiser und hebt sein Glas. Es dauert eine Weile, bis ich begreife, warum er nicht trinkt: Er he – bt – es – in – Z-e-i-i-i-t-l-u-u-p-e-n-t-e-m-p-o … „Zwei Jahre.“ Er schießt es so trocken und emotionslos nach, dass es uns schon wieder fast zerreißt …

Große Eröffnung

Auch die längsten zwei Jahre gehen einmal vorbei und endlich sperrt sie auf, die „Mutter aller Wiener Strandbars“ – Rudi hebt den Daumen und bedeutet mir, dass ich das unbedingt schreiben muss. „Wir waren die ersten, ehrlich! Und wir haben brav die Vorarbeit geleistet, für alle, die es uns dann nachgemacht haben …“ Nochmal Daumen. Also: Die Mutter aller Strandbars öffnet ihre Pforten und wird von über tausend Gästen gestürmt. Am ersten Nachmittag.

Xandl ist inzwischen auf ein kleines Bier umgestiegen: „Wir hatten echt ein geniales Konzept ausgeheckt: Nur Flaschen; sechs Kühltruhen – wir wollten die jeweils übers Lager mit frischem Bier befüllen – eine Truhe rüber, die andere retour…“ Er macht eine vage Handbewegung und scheint kurz keine Worte zu finden … „Nach nicht ganz einer Stunde war das Ganze ad absurdum geführt – Kühltruhen hin und her schieben war einfach nicht drin – das war wilder Westen, da ging es echt nur mehr um die Frage, wie überstehen wir das lebend?!“ Wieder Gelächter. Diesmal entspannt – alle haben überlebt. Faktum ist: die Kühltruhen landen am diesen Abend nach und nach alle hinter der Bar – und da stehen sie noch heute.

Alexander (Xandl) Kaiser und Rudi Konar in ihrer Strandbar Herrmann. Foto: Marlene Fröhlich

Zweitbeste Bar der Welt

Das absolute Highlight der Anfangsphase: die Erwähnung in der Condé Nast Liste der „zehn besten Bars der Welt“ – an zweiter (!) Stelle. Trommelwirbel. Applaus! Leichtes Erstaunen meinerseits – ernsthaft? Plötzlich tun die Herren Konar und Kaiser ein bisschen beleidigt und sind nicht ganz sicher, ob ich die ganze Story erzählen darf …

„Wir waren doch sooo stolz. Müssen wir wirklich dazu sagen, dass Condé Nast damals das erste Mal so eine Liste erstellt hat und die Reihung alphabetisch war – erster Platz: Australien…???“ In einer Sitcom wäre hier Gelächter vom Band zu hören – wir vier liefern es live und fallen wieder einmal fast von unseren quietschbunten Sesselchen. Der Strand hat was, stimmungsmäßig. Kein Zweifel.

Herrliche Ruhe – grundsätzlich unerwünscht

Rudi verschwindet kurz, um mit einer Mitarbeiterin etwas zu klären und ich nutze den Moment, um die Ruhe zu genießen, die hier zu Mittag herrscht. Also zumindest, wenn es unter zwanzig Grad hat … Ich beobachte die Techniker, die gerade letzte Hand an eine riesige Bühne legen, die am Abend für beste Partystimmung sorgen soll und als ich bei einer schnellen Google-Recherche die Strandbar Herrmann zumindest auf den ersten Blick in keiner „Beste-Strandbar-weltweit“-Liste finde, bin ich eigentlich beruhigt …

Das mit der Bühne – es wäre ein Bandwettbewerb geworden – geht übrigens schlecht aus: knapp nach unserem Termin zieht der Wettergott die Vorhänge zu, schaltet die Heizung ganz ab und beschließt, den Menschen da unten das lästige Gartenspritzen abzunehmen. Rudi und Xandl werden es gelassen nehmen, wie immer, wenn das Wetter nicht mitspielt. „Das ist Openair-Gastro – da kannst nix machen; wenn es regnet, kann der Bruce Springsteen spielen und es kommt keiner … Daher rechnen wir unseren wirtschaftlichen Erfolg auch nicht tage- und wochenweise, sondern in Saisonen.“

Die beiden letzten Sommer hätten gut in die Bilanz eingezahlt, daher würde sie der verregnete Saisonstart in diesem Jahr auch nicht umbringen, verraten die beiden. Trotzdem hätten sie über die Jahre Maßnahmen ergriffen – wie zum Beispiel einen wetterfesten VIP-Bereich einzurichten. „Unsere Events im Freien sind alle gratis – den VIP-Bereich vermieten wir. Die Terrasse lässt sich mit Markisen ganz zumachen – das kommt wunderbar an und ist ein guter, stabiler Wirtschaftsfaktor. Damit können wir gut schlafen, auch wenn das Wetter mäßig ist.“

Alexander (Xandl) Kaiser und Rudi Kunar in der Strandbar Herrmann. Foto: Marlene Fröhlich

Was macht der Rudi im Winter?

Doch selbst der schönste und geschäftsreichste Sommer geht einmal zu Ende – was passiert dann? Was macht ein Strandbarbesitzer in der „stillen“ Zeit? Die Herren haben natürlich mit der Frage gerechnet, ausnahmsweise ist Alexander Kaiser schneller mit seiner Antwort: „Erst Urlaub – ein Monat Südamerika, das gönn ich mir – dann weiterarbeiten.“ Anders als Rudi ist Xandl nämlich Multigastronom – drei Lokale nennt er sein eigen, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Das ‚Kleinbonum‘ ist ein rustikales kleines Beisl – neben einfachen Speisen gibt es jede Menge Brettspiele, die sich beim vorwiegend studentischen Publikum größter Beliebtheit erfreuen. Die ‚Suppenwirtschaft‘ spricht auch Studenten an, aber eher die schicke Partie und das ‚Curry-me-home‘ ist eine Kombination aus Gastronomie, Workshop-location und Onlineshop; hier dreht sich alles um exotische Gewürze. „In jedem Fonduetopf eine Gabel“ – witzelt Rudi und Xandl kontert: „Und was – bitte – macht der Rudi im Winter?“

Es ist ein Running Gag zwischen den beiden, einmal hätte jemand diese Frage auf Facebook gestellt … Rudi Konar grinst schief: „Der erste Sommer war so lässig – wir wollten einfach so weitermachen. Als es kühler geworden ist, haben wir einfach die Bar zugehängt, die Heizstrahler angeworfen – das war dann ein bissl ein Feeling wie beim Aprés-Ski – und irgendwann war Weihnachten. Und da hatte ich die Idee mit der ‚weihnachtsfreien Zone‘ – darüber hat sogar die deutsche Presseagentur berichtet.

Trotzdem sei Offenhalten im Winter keine Option mehr: „Es war kein Erfolg. 2005 war es zwar wirklich ungewöhnlich kalt, aber die Heizung frisst dich auch bei einem normalen Winter arm.“ Bleibt die Frage … Schulterzuckend antwortet Rudi: „Planen, nachdenken und den nächsten Sommer vorbereiten. Unser Ziel ist ja, jedes Jahr etwas Neues zu bringen – da darfst mit dem Planen und Bestellen schon rechtzeitig anfangen.“ Außerdem bleibt im Winter mehr Zeit für Vereinsaktivitäten, Rudi Konar ist im Vorstand des Klubs der Wiener Kaffeehausbesitzer und im Vorstand von Accessible Media, der sich für barrierefreies Internet einsetzt.

Alexander (Xandl) Kaiser und Rudi Konar in der Strandbar Herrmann. Foto: Marlene Fröhlich

Gut für die Umwelt, gut für’s Gewissen – gut für uns.

Den letzten Winter war er jedenfalls gut beschäftigt: „Heuer gehen wir das Umweltzeichen an“, freut sich Rudi. Einmal hätten sie es schon probiert, aber da wäre das Projekt an ein paar Details gescheitert. Diesmal ist er zuversichtlich, dass es klappt. „Wir haben uns das sehr genau überlegt und es ist einfach wirklich notwendig, dass wir da was tun – je besser das Geschäft läuft, desto größer wird unser Müllberg. Das soll sich jetzt ändern.“

Einige Maßnahmen wären sogar schon umgesetzt – ein Mitarbeiter hätte die Idee gehabt, das Herren-WC mit dem Abwasser vom Händewaschen zu spülen. „Das war kaum ein Aufwand und hat eine Rieseneinsparung gebracht –- die Schaumkrönchen sorgen zudem für Belustigung“, lacht Konar. Unglaubliche tausend Kilogramm Papierhandtücher wären es 2018 gewesen – demnächst werde ein topmodernes Gebläse sandige Hände umweltfreundlich trocknen. „Die Strohhalme haben wir bereits auf biologisch abbaubar getauscht, die Mehrwegbecher werden gerade produziert und die neuen Mehrwegtabletts sind geordert … ich bin schon mehr als gespannt.“

Sand will sauber sein

Unrealistischen Illusionen geben sich aber weder Rudi Konar noch Alexander Kaiser hin. Auch wenn sich bald eine Menge ändern werde, der Reinigungsaufwand wird enorm bleiben: Sechshundert Tonnen Sand sind es mittlerweile – feinste österreichische Qualität aus dem Marchfeld, in den die bis zu tausend Gäste täglich ihre entflip-floppten Füße wühlen. „Der Sand wird jeden Tag von der Volkshilfe durchgerecht und gesäubert.“ Dann sind natürlich die Küche, der Barbereich und die VIP-Räumlichkeiten täglich zu reinigen. „Wir wischen und schrubben sogar, wenn nix schmutzig ist!“, lacht Xandl, und klingt dabei so erschöpft, als hätte er selbst jeden Tag Besen und Wischmopp in der Hand. Rudi legt nach: „Die Rampe hast du vergessen – die gehört zwar nicht uns, aber für uns einfach dazu – zum Gesamtbild.“

Wir freuen uns auf einen sauberen – und heißen Sommer. Herzlichen Dank, die Herren!

Alexander (Xandl) Kaiser und Rudi Kunar in der Strandbar Herrmann. Foto: Marlene Fröhlich

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